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Arbeit mit Stieffamilien und Patchworkfamilien

Vortrag Erika Horn in Lwow im August 2007

Arbeit mit Stieffamilien und Patchworkfamilien

Eine Folge der immer höher werdenden Zahl von Trennungen und Scheidungen ist die steigende Zahl von Stieffamilien, die man Patchworkfamilien nennt. Es sind zusammengewürfelte Familien.

In diese neue Familienform bringt meistens die Frau Kinder mit, deren Vater woanders lebt. Diese sogenannten Stiefvaterfamilien sind die häufigste Form der Stieffamilie, weil nach einer Trennung die Kinder meist bei der Mutter bleiben.

Aber auch der Mann kann eigene Kinder, die bei ihm leben, in die neue Beziehung mitbringen, während die Mutter dieser Kinder woanders, vielleicht schon in einer anderen Beziehung lebt. Solche „Stiefmutterfamilien" haben es meist schwerer, denn die Erwartungen an eine Mutter sind umfassender als die an einen Vater.

Heute wächst bei uns in Deutschland ungefähr jedes 6. Kind in dieser Familienform auf. Schon im Märchen lebten Aschenputtel und Hänsel und Gretel in einer Stieffamilie.

Für die mitgebrachten Kinder bedeutet das, dass die Rollen auf der Geschwisterebene neu verteilt, Sonderrechte und Bevorzugungen aufgegeben, neue Verantwortlichkeiten übernommen werden. Die Kinder bringen ihre unterschiedlichen Geschichten und verschiedenen Vorstellungen vom Familienleben mit.

Die Stiefgeschwister, die über die neue Partnerschaft zusammengewürfelt werden, hatten dabei nicht die Chance, sich wie Freunde auszuwählen, sondern müssen in der neuen Familie erst lernen, miteinander auszukommen.

Beispiel: Eine Frau, die nach ihrer Trennung mit ihren beiden Söhnen Martin und Andreas im Alter von 9 und 6 Jahren eine Weile allein gelebt hatte, lernt einen Mann kennen, der mit seiner 8äjährigen Tochter Sofie ebenfalls alleine lebt. Sie beschließen zusammenzuziehen. Die Frau zieht mit den beiden Söhnen in die 3-Zimmer-Wohnung des Mannes. Hier nur zwei von mehreren Konfliktsituationen:

Die 3 Kinder müssen sich auf einmal das Kinderzimmer teilen, in dem Sofie vorher alleine gelebt hat, wogegen sie sich heftig wehrt. Sofie sieht ihre Mutter einmal wöchentlich zu einer bestimmten Zeit, während der Vater von Martin und Andreas nur sporadisch Kontakt mit seinen Söhnen hat.

Einfluss auf die Kinder und über die Kinder auf die neue Familie haben meistens zusätzlich auch die von ihnen getrennt lebenden Eltemteile nebst den dazugehörigen Großeltern. Auch die Großeltern der neuen Partner verhielten sich sehr unterschiedlich: Die Eltern und Geschwister der Frau akzeptieren Sofie voll und nehmen sie in die Familie auf. Die Eltern des Mannes dagegen versuchen Martin und Andreas zu ignorieren.

Natürlich gibt es in der neuen Familie auch noch die üblichen Paarkonflikte, wie sie auch in Partnerschaften ohne mitgebrachte Kinder vorkommen.

Das Konflikte in einer Stieffamilie sind ungleich größer als in einer „Normalfamilie".

Zunächst gilt es, im Gespräch mit dem Paar herauszufinden, was sie verbindet und was sie bis jetzt trotz aller Probleme gut bewältigt haben. Das ist wichtig, weil Paare das oft gar nicht mehr wahrnehmen, wenn die Probleme über ihnen zusammenschlagen.

Durch Anerkennung von außen, in diesem Fall durch die Therapeutin, wird es ihnen auch leichter wieder präsent.

Als nächstes besteht dann die Möglichkeit, für konkrete Detailprobleme Lösungen zu erarbeiten, die die Gesamtsituation etwas entspannen können.

In unserem Fallbeispiel Sofie, Martin und Andreas: Jedes der Kinder bekam im gemeinsamen Kinderzimmer klar voneinander abgegrenzte eigene Bereiche, und Martin durfte abends noch 20 Minuten im Wohnzimmer lesen, weil er der Ältestes war und weil sein Licht beim Lesen im Schlafzimmer die anderen gestört hätte.

In Stieffamilien macht es durchaus Sinn, die Kinder in die Beratung einzubeziehen, da einer

der Problembereiche die neue Familie des abwesenden Elternteils sein kann. Die Kinder

fühlen sich meistens beiden Familien zugehörig.

Hier müssen dann Wege gefunden werden, die Grenzen der neuen Stieffamilien zu betonen,

ohne die Beziehung zu den außerhalb lebenden zu behindern.                             

Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen: sie brauchen viel Geduld, nicht nur mit den anderen,

sondern auch mit sich selbst.

Die Geduld hat aber auch ihren Lohn. So entwickeln die Kinder einer solchen

Patchworkfamilie durch die wesentlich höhere Zahl wichtiger Bezugspersonen und durch die

stärkere Familiendynamik im positiven Falle eine deutlich höhere Sozialkompetenz.

Jede Familie durchläuft in ihrer Geschichte Phasen, die die Struktur des Systems derart verändert, dass eine Neuorientierung nötig wird. Dieser Übergang von einer Phase in eine andere kommt sowohl in Normal- als auch in Stieffamilien vor und wird dann als Krise erlebt.

Das kann z.B. Die Geburt eines Kindes sein oder das Hinausgehen von Jugendlichen aus der Familie, also das Dazukommen und das Weggehen von Kindern.

Ein Beispiel: Eine junge befreundete Familie von uns, Mutter selber Therapeutin, bekam zu ihren beiden 7 und 10 Jahre alten Kindern ein drittes Kind. Als dieses 3 Jahre alt wurde, stellte die Mutter freudig fest: „Nun ist Ruhe in unsere Familie eingekehrt, jeder hat jetzt seinen Platz gefunden." Das war eine sogenannte Normalfamilie. In Stief- und Patchworkfamilien hat sich herausgestellt, dass diese länger und oft bis zu 5 Jahre brauchen, um zusammenzuwachsen.

Die Stieffamilie hat es nicht nur mit normalen Umbruchphasen zu tun, die jede Familie durchläuft, sondern darüber hinaus mit Phasen, die in dieser Weise und Abfolge nur für sie typisch sind und deren Bewältigung entscheidenden Einfluss daraufhat, ob und wie die Stieffamilie zu einem neuen Ganzen zusammen wächst.

Folgende Phasen sind zu unterscheiden:

a)  Abschiedsphase: Die wichtigste Aufgabe ist hier die Trauerarbeit, das Abschiednehmen voneinander, auch das Abschiednehmen von der Wunschvorstellung, in einer normalen Familie leben zu können. Die Elternpositionen und -funktionen müssen neu definiert werden (Sorgerecht, Besuchsrecht, Unterhalt). Eltern bleiben Eltern, auch wenn sie nicht mehr zusammenleben, da die Ehescheidung

nur die Paarebene auflöst. Trotzdem muss einEltemteil ein bestimmtes Maß an Einfluss, Kontrolle und damit auch Macht in Bezug auf die Erziehung seines Kindes aufgeben.

b)   Phase des Lebens als Teilfamilie: Hier geht es im Besonderen darum, die
Unvollständigkeit im Teilfamilienverband zu akzeptieren und damit zu leben. Der
alleinerziehende Elternteil muss sowohl Vater- wie Mutterfunktionen übernehmen,
diese Kompetenzen wahrnehmen und auch dazu stehen. Es ist wichtig, dass Aufgaben
z.B. nicht an Verwandte oder an ältere Kinder abgegeben werden, sondern allenfalls
an sie delegiert werden. Diese Phase bringt für den alleinerziehenden Elternteil oft
große Belastungen. Sehr wichtig sind dann Identifikationsobjekte. Diese können für
die Kinder des fehlenden Elternteils in der Nachbarschaft, bei Onkel und Tanten, in
der Schule und in kirchlichen Gruppen gefunden werden. Aus diesem Grund sind
flexible Grenzen nach außen sehr wichtig, auch solche zum Elternteil, der nicht mehr
in der Familie lebt. Kinder in Teilfamilien sind oft selbständiger als diejenigen
gleichen Alters in Normalfamilien. Dies ist oft einer ihrer Vorteile.

  • c) Phase der Familienneugründung: Stief-/Patchworkfamilien, die zusammen ziehen,
    müssen viel Bisheriges und Vertrautes aufgeben. Es geht darum, nicht eine
    Normalfamilie, wohl aber eine andere Familie zu sein. Jeder muss darin seine neue
    Stellung und seinen neuen Aufgabenbereich finden.
  • d) Die Mitglieder der Stieffamilien müssen akzeptieren, dass die Nähe und Distanz unter
    den Mitgliedern unterschiedlich sein kann. So ist und darf die Nähe des leiblichen
    Elternteils zu seinen Kindern größer sein als die des Stiefelternteils zu ihnen. Die
    Paarbeziehung darf durch die vielen anderen Aufgaben, die zu bewältigen sind, nicht
    vernachlässigt werden. Sie muss vielmehr bewusst aufgebaut und gepflegt werden.
    Toleranz gegenüber anderen Auffassungen, Meinungen und Lebensgewohnheiten ist
    für die Entwicklung eines gemeinsamen Lebensstils besonders wichtig.

Problembereiche, Folgende 4 Problembereiche begegnen uns immer wieder:

1.  Unklarheiten in den Familiengrenzen; Daraus können sich große Probleme ergeben. Dies
mag damit zusammen hängen, dass unter Stief familien sehr oft Unstimmigkeiten darüber
bestehen, wer alles zur Familie gehört. Die Frau z.B. betrachtet sich, ihre Kinder und ihren
Mann, der StiefVater der Kinder als azur Familie gehörig. Die Kinder ihres Mannes dagegen,
die zu Besuch kommen, sind für sie lediglich Gäste. Der Mann dagegen rechnet auch seine
Kinder zur Familie und wenn sie da sind, ist für ihn die Familie erst vollständig. Oder ein
kleiner Junge betrachtet alle, Mutter, getrennt lebender Vater, Geschwister und Stiefvater zu
einer einzigen Familie gehörig. Seine ältere Schwester dagegen rechnet nur ihre leiblichen
Eltern und Geschwister zur Familie, nicht aber den StiefVater.

Dem Unbetroffenen erscheint dieser „Wirrwarr" vielleicht als unwichtig. Für die Betroffenen dagegen erzeugt es oft ein tiefes Unbehangen, das auch die einfachsten Beziehungen beeinflussen kann. Die Tatsache, dass man eine so komplizierte Stieffamilie ist, wird sowohl nach innen wie nach außen verleugnet.

2.  Starre Koalitionen: Stiefelternteile haben oft Schwierigkeiten, sich in die Familie zu
integrieren, weil sie den Platz des leiblichen Elternteils einzunehmen versuchen. Dabei
bleiben die Eltern ,Eltern ihrer Kinder auch über die Ehescheidung hinaus.

Das Hineinkommen in die Teilfamilie als neue Mutter/neuer Vater kann noch aus einem anderen Grunde erschwert sein.

Oft ist eines der Kinder unbemerkt in die Position des weggezogenen Partners und Elternteils gerückt und ist mit dem anwesenden Eltemteil eine zu enge Beziehung eingegangen. Dies scheint in vielen untersuchten Familien zuzutreffen.

Bei beinahe allen Stieffamilien ist der Symptomträger ein Kind aus der ersten Ehe eines Elternteils. Selten sind es gemeinsame Kinder aus der zweiten Ehe. Dies lässt vermuten, dass die Symptomträger-Kinder zu Koalitionspartnern des leiblichen Elternteils geworden sind. Bei der Bildung der Stieffamilie sehen sie ihre gewonnene Stellung bedroht und reagieren mit Symptomen.

Beispiel: Der 12-jährige Jonas war in seiner Ursprungsfamilie der jüngste und der einzige Junge von 3 Kindern. Nach der Scheidung seiner Eltern lebte er alleine mit seinem Vater und wurde dadurch zum Einzelkind. Seine beiden älteren Schwestern lebten bei der Mutter. Jonas wurde zum ständigen Partner seines Vaters, mehr „Kumpel" als Kind. Nach der Wiederheirat seines Vaters mit einer Frau mit einem 8-jährigen Jungen geriet Jonas erneut in die Rolle eines Kindes und die Frau wurde der Partner des Vaters. Jonas war nun der älteste von zwei Jungen. Weil er älter war, erwarteten sein Vater und die Stiefmutter von ihm mehr Verantwortung und Hilfe seinem jüngeren Stiefbruder gegenüber. Dies war das genaue Gegenteil der Rollen, die er früher hatte. Früher wurde erwartet, dass seine ältere Schwestern häufig die Verantwortung trugen. Danach, als er mit seinem Vater lebte, musste er sich um sich selbst kümmern. Nach der Wiederheirat wurde von ihm erwartet, dass er der verantwortungsvolle, sorgende ältere Bruder sei.

Jonas verhielt sich durch die vielen Veränderungen in seinem Leben und die neue Situation oft regressiv. Durch den scheinbaren Verlust des Vaters als dauernden Kamerad wurde bei ihm Traurigkeit und Ärger ausgelöst. Es wird klar, dass die Eltern ihn dann als mürrischen, unverantwortlichen Jungen beschreiben.

3. Probleme mit der Beziehung zum getrennten leiblichen Elternteil:

Für die Stieffamilie spielt gefühlsmäßig und zeitweilig auch rechtlich der Elternteil eine wichtige Rolle, der nicht in der neuen Familie, sondern außer Haus lebt. Dies kann beim neuen Partner Beziehungsunsicherheiten und Rivalitätsgefühle auslösen. Die Kinder geraten in Loyalitätskonflikte, selbst wenn der außer Haus lebende Elternteil nicht oder nur selten in Erscheinung tritt. Aus der Tatsache, dass er nicht mehr anwesend ist, ergibt sich iür das Kind oder den Jugendlichen noch lange nicht, dass jetzt für einen anderen Platz wäre. Auch können die Kinder Probleme damit haben, zwei verschiedene Personen in äußerlich kaum zu unterscheidenden Rollen zu sehen, und von daher in Unsicherheiten und innere Konflikte gestürzt werden (Mutter/Stiefmutter - Vater/Stiefvater).

4. Rollen- und Identitätsprobleme des Stiefelternteils:

Der Mann oder die Frau, der/die Stiefelteraposition in einer neuen Familie übernimmt, weiß

zunächst oft nicht, wie er/sie sich verhalten soll. Die einzige Rolle, die Stiefeltern kennen, und

früher bereits ausgeübt haben, ist die Rolle des leiblichen Vaters oder der leiblichen Mutter.

Diese Rolle übernehmen dann meist die Stiefelternteile unbewusst, das heißt, sie geben den

Tagesrhythmus vor, bestimmen, wann die Kinder zuhause zu sein haben usw. Zu spät merken

sie, dass daraus Machtkämpfe entstehen. Die Stiefelternrolle ist also keine vorgegebene Rolle,

sondern sie wird erworben und erlernt.

Deutlich fassbar wird dies auch im rechtlichen Bereich: der Stiefelternteil ist nicht

erziehungsberechtigt, das heißt, er hat in wichtigen Fragen und Entscheidungen z.B. in

Sachen Schule, Berufswahl, Arzt, Krankenhaus usw. bei Stiefkindern keine

Entscheidungsbefugnisse.

Die Stiefkinder sagen oft: „Du hast mir nichts zu sagen!" Oder: „Das geht dich nichts an".

Das schafft bei Stiefeltern Kränkungen.

Die hier genannten Problemfelder sind wohl die wichtigsten Konfliktbereiche, auf weiche die Stieffamilien oft mit Unzufriedenheit, Niedergeschlagenheit, Eifersucht, Rivalitäts-, Schuld-und Versagensängsten reagieren.

Oft versucht sich der Stiefvater erst gar nicht an Erziehungsaufgaben, sondern sucht seinen Platz in der Familie im Kindersubsystem, d.h. er tollt mit den Kindern herum, spielt und macht Spaß mit ihnen und gibt so der Frau das Gefühl, dass er ihre Kinder mag und mit ihnen gut umgehen kann. Im Übrigen hält er sich aber aus allem heraus, was die Kinder, die Erziehungsaufgaben der Frau und die Organisation des Haushalts betrifft,. Diese Strategie scheint anfangs sehr erfolgreich zu sein, weil sie die Kinder auf seine Seite bringt und ihm damit einen Platz im System sichert. Doch auf Dauer gesehen fühlt sich die Frau im Stich gelassen: Statt eines Partners hat sie anscheinend ein weiteres Kind in die Familie mit aufgenommen.

Therapie und Beratung von Stieffamilien

Voraussetzung für jede Therapie ist eine genaue Kenntnis der besonderen Situation der Familie, das heißt = ohne spezifische Information über eine spezifische Familie können wir nicht wirklich Veränderungen bewirken.

Als Therapeuten benötigen wir eine klare Vorstellung von der strukturellen Eigenart und den spezifischen Entwicklungsaufgaben, die diese Stieffamilie konkret lösen muss.

Die Stieffamilie, die große Anstrengungen unternahm, wie eine natürliche Familie zu funktionieren, diese Stieffamilie müssen wir darauf aufmerksam machen, dass sie nicht eine natürliche Familie, sondern eine Stieffamilie ist. Eine andere Art von Familie also, die andere

Rollen, andere Spielregeln, andere Beziehungsformen brauchen als man sie von der

Normalfamilie her kennt.

Die Stieffamilie ist nicht etwa eine besondere Familie, sondern eine andere Familie. Diese

Benennung ruft Erstaunen, oft auch Widerstand hervor, bewirkt letztlich aber große

Erleichterung und setzt Kreativität und Phantasie frei, bisher nicht bekannte Beziehungsregeln

zu entwickeln.

Wenn also beispielsweise die Stiefmutter bisher die Erziehungsverantwortung für die Kinder

ihres Mannes übernommen hat, so führt der Therapeut als Regel ein, dass der leibliche Vater

allein die Erziehungsverantwortung zu übernehmen hat. Seine Frau kann ihn dabei

unterstützen, aber die konkrete Ausführung hat jedoch er allein, z.B. Hausaufgaben, wann zu

Bett gehen, wie lange Fernsehen usw.

Wenn diese Familie diese Regel übernimmt, wird ein Prozess eingeleitet, in dem sich neue Muster zwischen Stiefmutter und Stiefkindern, aber auch zwischen dem Vater und seinen Kindern aufbauen. Das System beginnt sich zu verändern, indem neue Beziehungsmuster gesucht und gefunden werden.

Weil vorhandene Rollenbilder und tradierte Beziehungsmuster fehlen, wird die Kreativität der Stieffamilie dazu herausgefordert, ihre eigenen Modelle zu entwickeln. Dabei ist es genau so wichtig, dass der Therapeut seine eigenen Leitbilder von Familie kennt und ständig reflektiert, damit er sie nicht unbemerkt der Familie als Norm aufdrängt.

Auch sehr wichtig ist das Auslöschen von Phantasien.

Ein Bereich, in dem eine Reihe von Phantasien auftauchen, ist das Auseinanderbrechen der Kernfamilie, das jedes Familienmitglied unterschiedlich in Erinnerung haben kann. Oft hat der Vater / die Mutter nie ausführlich mit den Kindern darüber gesprochen, warum sie sich getrennt haben und alle haben Phantasien, was wirklich passiert ist.

Diese Phantasien können zu einer Idealisierung des Abwesenden durch ein Kind führen, zu einer Verwirrung der Gefühle gegenüber dem zurückgebliebenen Elternteil und bei den Kindern die Frage offen lassen, ob es ihre Schuld war. Manchmal phantasieren sie, dass sie „nicht gut genug" waren und dass das Gleiche in ihrer jetzigen Familie geschehen könnte.

Fast jedes Familienproblem wird von Phantasien begleitet. Das wichtigste ist dann, die Tatsachen offen auf den Tisch zu legen, damit sie realistisch eingeschätzt und besprochen werden und dass neu damit umgegangen werden kann.

In der Arbeit mit Stieffamilien wird die Auseinandersetzung mit dem getrennt lebenden Elternteil einen wichtigen Raum einnehmen.

Gefühle der Trauer, Aggression und Schuld verhindern oft eine offene Beziehung des leiblichen Eltemteils zu seinen Kindern. Kinder haben Fragen an ihre Eltern. Wenn nicht darüber gesprochen wird, ist ihr Zugang zu den Eltern erschwert.

Familientherapie betrachtet das gesamte Familiensystem und kann auch Individualtherapie beinhalten, oder Therapie mit einer Untergruppe der Familie. Darauf gehe ich später noch ein.

Die Anwesentheit aller Mitglieder erleichtert eine direkte Kommunikation zwischen allen und verhindert indirekte Dreieckskommunikation. Kinder haben weniger das Gefühl, dass Dinge hinter ihrem Rücken passieren. Das gemeinsame Treffen gewährt einen psychologisch sicheren Ort zum Lernen, zum Ausprobieren, Experimentieren und Einüben von neuen Ideen und Verhaltensweisen mit Hilfe des Therapeuten.

Die Probleme, die von der Familie zu Therapiebeginn genannt werdenk, sind meistens unklar und „krankheitsorientiert". Die Eltern sagen, „wir müssen besser miteinander auskommen", oder „wir haben nur Krach" oder „die Kinder respektieren mich nicht als Stiefinutter, bzw. -vater".

Es braucht eine klare Definition jedes einzelnen, wie er das Problem sieht, was seine eigenen

Bedürfnisse sind und was er gerne verändern möchte.

Es ist z.B. unmöglich, einer Stiefmutter Respekt entgegenzubringen, wenn man nicht weiß,

was sie mit Respekt meint.

Wenn die Bedürfnisse nicht klar sind, werden die Ziele unklar und inkorrekt.

Sowohl für den Therapeuten als auch für die Familie ist es gleichermaßen wichtig zu sehen,

wo Übereinstimmungen und Unterschiede der verschiedenen Familiensysteme sich in der

Stieffamilie vermischen. Z.B. wie Feiertage gefeiert werden oder welche Wichtigkeit

besondere Tage wie Geburtstage haben, auch wie Gefühle gezeigt werde, wie Ärger toleriert

wird, in welcher Form erzogen wurde usw.

Es ist wichtig, die kommunikativen Fähigkeiten der Stieffamilie herauszufinden und zwar die

verbalen und nonverbalen und abzuklären, ob sie zusammenpassen.

Wenn sie sagen, sie seien ärgerlich, sehen sie ärgerlich aus. Wenn sie sagen, dass sie sich

gerne um ein anderes Familienmitglied kümmern, sagen und zeigen sie es auch?

Es kann vorkommen, dass Familien nicht zu weiteren Sitzungen erscheinen, wenn auf ihren Wunsch, dass wir ein bestimmtes Kind untersuchen, nicht eingegangen wird. Manchmal ist die Untersuchung eines Kindes angebracht, wenn anschließend den Eltern Familientherapie empfohlen wird. Einige Eltern haben Angst, in Therapie zu gehen und benötigen einen (i.P.)„identifizierten Patienten", um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken.

Oder ein Kind verhält sich zerstörerisch, so dass die Eltern nicht mehr ihre Funktion als führende Kraft im Familiensystem wahrnehmen können.

Beisppiel:

Anja, die 15-jährige Tochter wurde zum identifizierten Patienten wegen ihrer schulischen

Leistungen und Missachtung der Autorität der Lehrer.

Ihr Beziehung zu ihrer Stiefmutter war sehr konfliktreich. Der Grad an gegenseitiger

Feindseligkeit war so groß, dass alle kurz davor waren, sie los werden zu wollen. Anja war 5

Jahre alt, als ihre leibliche Mutter plötzlich von zu Hause verschwand. Anjas unausgedrückte

Trauer war sehr offensichtlich. Ihre Wut gegen die Stiefmutter trug zu diesem Konflikt bei

und diente auch dazu, die Eltern auseinanderzuhalten. Der Vater schützte seine Tochter und

konnte keine Liebe für eine Stieffrau entwickeln, die Anja nicht akzeptieren konnte. Nach

einem gemeinsamen Interview war es offensichtlich, dass die weitere Arbeit Untergruppen

erforderlich machen würde. Anja wurde mit einer  älteren Schwester eingeladen. Die beiden

Schwestern konnten zusammen die Ursachen für Anjas Ärger und den Mangel an

Anerkennung von der Stiefmutter erkennen.

Dann wurden die Eltern ebenfalls zusammen eingeladen. Sie arbeiteten an ihren gegenseitigen

Bedürfnissen und an einer Stärkung ihrer Positionen als Führer der Familie. Die Stiefmutter

arbeitete an ihren eigenen Gefühlen tiefer Unsicherheit.

Mit beiden Untergruppen wurde durch diese Arbeit ein Fundament für weitere erfolgreiche

Arbeit in gemeinsamen Sitzungen gelegt. Dadurch setzten schnelle Veränderungen bei allen

Familienmitgliedern in verschienen Richtungen ein:

Die Stiefmutter fühlte sich sicherer und konnte Anja gegenüber herzlicher sein.

Anja rebellierte nicht mehr in der Schule.

Der Vater hatte von da ab eine bessere Beziehung zu seiner Frau.

 

Dieses Beispiel demonstriert gleichzeitig, wie wichtig es auch sein kann, in Untergruppen zu arbeiten. Dieses Konzept, in Untergruppen zu arbeiten, fördert das individuelle Wachstum und die Selbstbehauptung jedes einzelnen, und kommt der gesamten Familie/Patchworkfamilie zugute.

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